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Überblick Lungenkrebs

Mehr als 34000 Männer und rund 18000 Frauen werden jedes Jahr mit der schwerwiegenden Diagnose Lungenkrebs“ konfrontiert. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer und Frauen bei etwa 68 Jahren. Fortgeschrittener Lungenkrebs gehört auch heute noch zu den Krebsarten mit eher geringen Heilungsaussichten. Die erst seit kurzem verfügbare Therapie mit sogenannten Immun-Checkpoint-Inhibitoren verlängert aber die Lebenszeit vor allem für Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs zum Teil erheblich.

Regelmäßiges Rauchen über Jahre hinweg ist nach wie vor der größte Risikofaktor für die Entstehung von Lungenkrebs, von Medizinern als Bronchialkarzinom bezeichnet. Etwa 85 Prozent aller Patienten sind bei der Diagnose Raucher. Weitere Ursachen sind Kontakt mit krebsfördernden Substanzen wie Arsen, Asbest, Benzol und Benzol-ähnlichen Kohlenwasserstoffen, mit Chrom, Cadmium, Nickel, Ruß und Teer sowie Radon. Lungenkrebs wächst lange Zeit ohne Beschwerden und wird deshalb in frühen Stadien meist nur zufällig, etwa beim Routine-Röntgen, entdeckt.

Zwei Gruppen von Bronchialkarzinomen

Nach dem Aussehen der Tumorzellen unter dem Mikroskop werden zwei große Gruppen von Bronchialkarzinomen unterschieden: Der kleinzellige und der nicht kleinzellige Lungenkrebs, nach ihren englischen Bezeichnungen häufig abgekürzt als SCLC und NSCLC.

Der kleinzellige Lungenkrebs (SCLC) gilt als der klassische Rauchertumor. Seine Zellen wachsen sehr schnell, der Tumor bildet schnell Metastasen. Das schnelle Wachstum bietet allerdings auch einen guten Angriffspunkt für die Behandlung: Kleinzellige Lungenkrebse sprechen gut auf Chemotherapeutika an, selbst in fortgeschrittenen Stadien reagieren noch 60 bis 80 Prozent der Patienten auf die Behandlung. Aber trotz erfolgreicher Behandlung bildet sich meist ein Rezidiv, also ein geweblich ähnlicher Tumor, an derselben Stelle, und mit jedem neuen Rezidiv wird die Behandlung schwieriger.

Etwa 80 Prozent der Lungenkrebspatienten sind am nicht kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) erkrankt. Je nach Zellart, von der der Tumor ausgeht, werden drei NSCLCHaupttypen unterschieden: das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinom und das großzellige Karzinom. Im Vergleich zu kleinzelligen Karzinomen wachsen nicht kleinzellige zunächst langsamer und streuen auch später in andere Gewebe. Sobald sie Metastasen gebildet haben, beschleunigt sich jedoch auch ihr Wachstum.

Diagnostik und Stadieneinteilung

Vor der Therapie eines Bronchialkarzinoms steht die sorgfältige Diagnostik. Wichtige Fragen, die zu klären sind, lauten:

  • Ist nur ein Lungenflügel betroffen?
  • Sind bereits Krebszellen in Lymphknoten nachweisbar?
  • Gibt es schon Metastasen in entfernt liegenden Organen und Geweben?
  • Um welche Tumorart genau handelt es sich?

Zur Beantwortung dieser Fragen nutzen Ärzte bildgebende Untersuchungsverfahren wie Röntgen, Computertomographie, Positronenemissions-Tomographie (PET) oder die Untersuchung der Atemwege mit einer kleinen Spezialkamera im Rahmen der Bronchoskopie. Gegebenenfalls wird im Rahmen einer Feinnadelbiopsie eine Gewebeprobe des Tumors genommen und vom Gewebespezialisten, dem Pathologen, untersucht. Die Untersuchungsergebnisse versetzen die behandelnden Ärzte in die Lage, das Bronchialkarzinom genauer zu charakterisieren, sprich, es einem eindeutigen Stadium zuzuordnen (Tabelle).

Operieren, wenn es sinnvoll ist

Wenn der Tumor noch nicht gestreut, von seiner Lage her operabel und der Patient belastbar ist, dann gibt es die Chance, den Lungenkrebs durch eine Operation vollständig zu entfernen. Wenn die Operationswunde verheilt ist, schließt sich meist eine Chemo-, in bestimmten Fällen auch eine Strahlentherapie an. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass möglicherweise im Körper verbliebene Tumorzellen, die man auch mit den besten bildgebenden Verfahren noch nicht entdecken kann, vernichtet werden.

Hat der Tumor dagegen schon Metastasen gebildet, ist möglicherweise auch in andere Organe vorgedrungen, geht es nicht mehr um Heilung, sondern darum, das Tumorwachstum zu verlangsamen und dem Patienten ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. In diesem Fall wird auf die Operation oft verzichtet; stattdessen behandelt man mit einer angepassten Chemo- und Strahlentherapie und gegebenenfalls mit weiteren Medikamenten.

Immun-Checkpoint-Inhibitoren

Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie sind nach wie vor die Basiswerkzeuge zur Behandlung von Krebserkrankungen. In den letzten Jahren sind aber Medikamente entwickelt worden, die für viele Patienten Anlass zur Hoffnung auf Lebenszeitverlängerung sind.

Die spektakulärsten Erfolge der letzten Jahre erzielt die sogenannte Immuntherapie. Damit sind nicht allgemein die Abwehr stärkende Mittel gemeint, sondern die spezifisch auf den Krebs bezogene Aktivierung des Immunsystems. Forscher haben herausgefunden, wie sich das Immunsystem zur Bekämpfung eines Tumors aktivieren, genauer reaktivieren lässt. Denn das Immunsystem bildet regelmäßig Abwehrzellen gegen Tumorzellen – zumindest gegen solche, die durch übermäßige UV-Strahlung oder Rauchen entstanden sind. Tumorzellen sind aber in der Lage, die speziell gegen sie gerichteten Abwehrzellen des Immunsystems gewissermaßen abzuschalten. Sie greifen damit in die Regulation des Immunsystems ein, treten sozusagen auf die Immunbremse. Konkret geschieht das durch die Interaktion an bestimmten, für die Regulation wichtigen Rezeptoren, die deshalb auch als Immun-Checkpoints bezeichnet werden. Sogenannte Immun-Checkpoint-Inhibitoren unterdrücken diese Interaktion mit der Folge, dass die Tumorzelle durch das körpereigene Immunsystem wieder angreifbar wird. Die Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren funktioniert besonders gut bei Bronchialkarzinomen, die durch das Rauchen verursacht wurden, also bei sehr vielen Lungenkrebspatienten.

Molekular zielgerichtete Therapie

Neben dieser Immuntherapie spielt in der Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs die sogenannte molekular zielgerichtete Therapie eine wichtige Rolle. Von ihr profitieren allerdings nur bis zu 15 Prozent aller Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs. Im Erbgut ihrer Tumorzellen hat eine bestimmte Veränderung, also eine Mutation stattgefunden, die eine Signalkette zur fortwährenden Vermehrung der Zellen in Gang setzt. Ist eine entsprechende Mutation nachgewiesen, dann profitieren diese Patienten von Medikamenten, die ganz gezielt für die Unterbrechung der Signalkette sorgen und so das Tumorwachstum verlangsamen.

Psychoonkologische Unterstützung

Bei der Behandlung von Lungenkrebs geht es nie nur um die Bekämpfung körperlicher Symptome. Viele Lungenkrebspatienten leiden extrem unter ihrer Erkrankung. Nicht nur, weil die mittlere Überlebenszeit mit etwas über zwei Jahren sehr kurz ist. Häufig kämpfen sie mit Schuldgefühlen, weil sie wissen, dass ihr jahrzehntelanger Tabakkonsum wesentlich für die Entstehung der Krankheit verantwortlich ist.

Möglicherweise sind Empfindungen dieser Art auch eine Ursache dafür, dass Lungenkrebspatienten nur selten die Unterstützung eines Psychoonkologen suchen. Dabei können diese Fachleute bei der Bewältigung der Erkrankung sehr hilfreich sein. Denn klar ist: Es geht bei der Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs nicht um Kategorien wie „selber schuld“ oder schuldlos. Es gilt vielmehr, den individuell optimalen Weg zur Therapie und zum Umgang mit der Erkrankung zu finden. Und dabei stehen wir Ihnen mit der Unterstützung weiterer Expertinnen und Experten hilfreich zur Seite.

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